Weltweites Bibliotheks-Manifest für Menschen mit Lesebehinderungen

Bereits im Jahr 2012 hat der Internationale Verband der bibliothekarischen Vereine und Institutionen (IFLA) ein Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen erstellt mit dem Ziel, dieses gemeinsam mit der UNESCO auf den Weg zu bringen. Im November 2013 wurde nun der Entschließungsentwurf dazu auf der 37. Generalkonferenz der UNESCO in Paris vorgelegt und bestätigt. Damit lädt die UNESCO ihre Mitgliedsstaaten ein, das Manifest zu unterstützen und bei der Planung zukünftiger nationaler Strategien, Richtlinien und Initiativen zu berücksichtigen.
Die CB Hamburg veröffentlicht hier eine (nicht autorisierte) deutsche Fassung der englischen Originalversion.

In stark verkürzter Form möchten wir auf die Kernpunkte verweisen:

  1. Der Zugang zu Information ist ein grundlegendes Menschenrecht.
    Menschen mit Einschränkungen der Lesefähigkeit haben aber oft keinen Zugang zu Information: hierzu gehören weltweit mehr als 160 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen; hinzu kommt eine große Zahl an Menschen, die aus anderen Gründen Gedrucktes nicht lesen können (etwa Menschen mit Dyslexie etc.).
    Doch nur 5 bis 10 % aller Informationen sind in alternativen, barrierefreien Formaten zugänglich und weniger als 20 % der Webseiten sind barrierefrei.
  2. Das Manifest zeigt die Schlüsselaufgaben von Regierungen, Bibliotheken und Informationsvermittlern auf, damit sie ihre Informationen und Dienste für alle barrierefrei zugänglich machen.
  3. Das Manifest bittet darum, aktiv auf lesebehinderte Nutzer zuzugehen, Expertengruppen für Barrierefreiheit zurate zu ziehen und barrierefreie Dienste (mit einer durchgängigen Wertschöpfungskette!) aufzubauen.
  4. Das Manifest ruft auf, hierfür besondere Ausbildungsprogramme für Bibliotheks- und Informationsmitarbeiter innerhalb der formellen Aus- und Weiterbildung zu schaffen.
  5. Das Manifest kann die Grundlage einer Garantie bilden, dass wirklich alle Menschen gleichberechtigt an der Wissensgesellschaft teilnehmen.
  6. Das Manifest basiert auf der Grundsatzerklärung des Weltgipfels für die Infomationsgesellschaft (WSIS) von 2003 und dem Genfer Aktionsplan. Es wurde von der IFLA-Sektion „Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen“ erstellt, zu der Bibliotheksverbände weltweit gehören, und am 4. April 2012 vom IFLA-Verwaltungsrat bestätigt.
  7. Die IFLA arbeitet eng mit der UNESCO zusammen, insbesondere beim Aufbau von Medien- und Informationskompetenz in der Bevölkerung, bei der Ausbildung von Lehrern, Medien- und Informationsspezialisten sowie bei der Festigung der Stellung der Bibliotheken und der Umsetzung von Richtlinien für nationale Politik.

Dem Basistext des Manifests folgt ein Anhang mit Erläuterungen.

Das UNESCO-/IFLA-Manifest sowie weitere bibliotheksrelevante Dokumente zum Thema Barrierefreiheit finden Sie auf dieser Projektwebsite auch unter Dokumente für Bibliotheken.


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